Materialien

Wolle, Kaschmir, Paschmina

Nach Kundmachung des Ministeriums für Industrie und Handel der Tschechischen Republik (č. 92/1999 Sb), werden mit dem Begriff „Wolle“ nur Fäden, die von Schaf- oder Lammvlies (Haar vom Hausschaf, Ovis aries) gewonnen werden, bezeichnet. Mit Kaschmir wird das Fell von Kaschmir-Ziegen bezeichnet und der Begriff „Pashmina“ ist kein offizieller Name für eine bestimmte Faserart.

Auf der ganzen Welt züchten Menschen ca. 2 Milliarden Tiere, deren Fell Textilfäden enthält, aber nur ein kleiner Teil ist geeignet, um verarbeitet zu werden. Zum Beispiel wird das Fell bei einer Milliarde von Schafen nur etwa zur Hälfte verarbeitet, von vielen Millionen Ziegen und Kamelen werden nur etwa 5% der Tiere zur Herstellung von Wolle genutzt.

Wolle

Von einem Schaf können durchschnittlich etwa 3kg Wolle pro Jahr gewonnen werden, aber es gibt Schafarten bei denen der Gewinn bis zu 18kg Wolle pro Jahr betragen kann. Das gescherte Fell – auch genannt Vlies, wir nach dem Abscheren in verschiedene Qualitätsklassen eingeteilt.

Die charakteristische Kettenstruktur der Moleküle sorgt für Luftdurchlässigkeit, Wärme und ausgezeichnete Elastizität und Biegbarkeit. Die Wolle ist sozusagen knitterfest. Das Färben von Wolle ist anspruchsvoll und es ist beinahe unmöglich zweimal den gleichen Farbton zu erzielen.

Nur von einem kleinen Teil der weltweiten Wollproduktion wird reines Wollgarn hergestellt, meistens wird es mit verschiedenen künstlichen Fasern gemischt. Ein Bruchteil wird mit Naturfäden anderer Tiere (Kaschmir-Ziegen, Angoraziegen oder Kamele) und ausnahmsweise mit Baumwolle gemischt.

Die Wollproduktion ist umweltschonend und beruht auf erneuerbaren Ressourcen.

Merinowolle

Diese Wolle stammt von speziell gezüchteten Schafen, die in kälteren Gebieten mit höherer Feuchtigkeit leben, vor allem in Neuseeland und Australien. Im Gegensatz zu anderen Wollarten ist die Merinowolle sehr fein und zart. Dank ihrer speziellen Fadenstruktur und Feinheit ist  Merinowolle luftdurchlässig, bietet aber trotzdem gute Isolationseigenschaften. Deshalb wirkt schon eine recht dünne Schicht sehr wärmend.

Wegen ihrer ausgezeichneten Eigenschaften ist Merinowolle weltweit sehr beliebt und nimmt am heutigen Markt eine führende Stellung ein.

Kaschmir (kashmere)

Kaschmir gehört zu den allerfeinsten Textilfasern. Er wird aus dem feinen und warmen Unterhaar (kurze zarte Haare unter dem Deckfell) der Kaschmir-Ziegen hergestellt. Diese Ziegen leben vornehmlich in hochgelegenen Gebieten des Himalaya, in Höhen von 3000 bis 4500 m ü. M. Ursprünglich wurden diese nur im indischen Kaschmir gehalten, heute kann man sie jedoch auch in Tibet oder in der Mongolei finden. Man verkauft Kaschmir verschiedener Qualität, die sich in der unterschiedlichen Grobheit des Fadens unterscheiden. Die Feststellung der Qualität ist nicht immer einfach, denn der Unterschied zwischen Schafwolle und Kaschmir kann nur mithilfe eines Mikroskops festgestellt werden. Das Kaschmirgarn wird wegen seiner Feinheit, Leichte und Wärme sehr geschätzt. Kaschmir ist im Vergleich zu Wolle viel teurer, weltweit wird auch eine deutlich geringere Menge an Kaschmir als Wolle produziert. Denn von einem Tier können nur etwa 90g Kaschmir pro Jahr gewonnen werden. Kaschmir wird oft als Gemisch mit Schafwolle und Seide verarbeitet. Da es sich um ein kostbares und seltenes Material handelt, und zugleich die Identifikation aufwendig ist, kann man oft Lammwolle finden, die als Kaschmir ausgegeben wird.

Paschmina (pashmina)

Der Begriff „Pashmina“ ist vom persischen Wort „pashm“ = „Wolle“ abgeleitet, bezeichnet aber keine spezifische Wollart. In Indien und Nepal wird „Pashmina“ oft dem Begriff „Kaschmirwolle“ gleichgesetzt, aber kann im breiteren Kontext auch für alle anderen Schals (inklusive jener, die aus Viskose, Wolle usw. gefertigt sind) verwendet werden. Im Westen steht dieser Begriff meist für Schals, die aus Indien oder Nepal stammen.

Da Kaschmir (vom Fell der Kaschmir-Ziegen) kostbar und teuer ist, sind die meisten Schals, die in Nepal oder Indien als 100% Pashmina oder Kaschmir bezeichnet werden, in Wirklichkeit aus Unterhaarwolle von Lämmern hergestellt. Die Unterhaarwolle ist sehr warm – dies ist für die Lämmer besonders wichtig, denn sie leben in hochgelegenen Gebieten mit kaltem Klima. Die hochwertigste Wolle wird von Partien unter dem Hals gewonnen.

Es existieren viele verschiedene Qualitätsklassen, je nach Zartheit der Wolle. Am örtlichen Markt kann man Schals aus einer Mischung dieser hochwertigen Wolle mit Kaschmir und ausnahmsweise auch reinen Kaschmir finden. Weiter sind B-Klassen Pashminas erhältlich – dies sind Schals aus einer Mischung feiner Wolle und Polyester. Auf den ersten Blick nicht von Schals aus reiner Wolle zu erkennen, sie sind auch weich, fein, zart und warm, aber merklich günstiger.

In Kaschmir werden Schals traditionell aus speziell ausgewählter (extrafeiner aber trotzdem sehr festen) Unterhaarwolle von Lämmern gefertigt. Diese sind unglaublich dünn und fein. Auch hier kann man verschiedene Qualitätsklassen finden. Es gibt auch Schals aus dem Fell der Kaschmir-Ziegen, doch sie sind sehr selten zu finden.

Seide

Mit „Seide“ wird hauptsächlich Naturseide gemeint, doch in der heutigen Zeit wird immer mehr künstliches Seidengewebe aus künstlichen Seidenfasern produziert. Naturseide wird durch das Entrollen von Puppen des Seidenspinners gewonnen (Bombix mori). So kann ein Faden von einer durchschnittlichen Länge von drei bis vier Kilometern erreicht werden. Trotz der guten Stellung der Kunstseide auf dem Weltmarkt, gehört Naturseide immer noch zu einem bedeutsamen Material in der Textilindustrie; dies nicht nur wegen ihres exklusiven Aussehens und Anfühlens, sondern auch wegen ihrer praktischen Eigenschaften. Im Sommer wirkt sie kühlend und im Winter wärmt sie und saugt gut Schweiß auf.

Viskose

Viskose wird aus Zellulose hergestellt. Zellulose ist ein organischer Stoff, der sich in den Zellwänden von Pflanzen befindet. Viskosefasern werden aus Zellulose durch Regeneration, einen chemischen und mechanischen Prozess, erreicht.

Normale Viskosenfasern sind nicht so fest wie zum Beispiel Wollfäden, die Situation verschlechtert sich noch, wenn diese nass werden. Deshalb werden sie bearbeitet, so entstehen Fasern, die zweimal so stark sind wie Wolle. Es werden matte, wie glänzende Fasern verschiedener Feinheit hergestellt. Das Bleichen und Färben sind einfach durchzuführen.

Viskosenprodukte sind angenehm zum Anfassen, saugen Schweiß gut auf und sind knitterfest. Bei höheren Waschtemperaturen gehen sie jedoch gerne ein.

Viskose wird überall dort verwendet, wo man Eigenschaften normaler Seide fordert, aber die Preise nicht zu hoch werden dürfen. Sie lässt sich leicht mit Wolle, Baumwolle und synthetischen Fasern mischen.

Polyester

Polyester sind Polymere, die synthetische sowie in der Natur vorkommende chemische Stoffe enthalten. Polyesterfasern werden zum Weben oder Sticken von Kleidungsstücken (T-Shirts, Hosen, Mützen), Bettwäsche (Kissen, Decken) oder zum Beispiel Sicherheitsgürteln verwendet.

Obwohl künstliche Fasern mit Naturfasern wie Wolle oder Baumwolle unvergleichbar sind, können diese einige Vorteile bieten. Zum Beispiel ihre Knitterfestigkeit oder das langzeitige Bewahren der Farbe. Oft werden aus Polyesterfasern Stoffe hergestellt, die im Vergleich mit natürlichen Materialien widerstandsfähiger gegen Wasser und Wind sind.